Volksstimme Medien 10.11.2007

Ostdeutschland – Ideen statt Vergehen

Dokumentarfilm „Neuland“ im Fernsehen

 Am kommenden Freitag (16. November 21.45 Uhr) zeigt „Phoenix“ einen beachtenswerten Dokumentarfilm über Schrumpfungsprozesse in Ostdeutschland. Der von Daniel Kunle und Holger Lauinger ohne Förderungen produzierte und bisher auf Tingeltour durch den Osten meist in kleinen Kreisen gezeigte Film „Neuland“ gehört nach Ansicht der „Zeit“ zum „Ehrlichsten, was bisher über die Nachwendezeit gedreht wurde“. Ein großes Wort. Richtig ist, dass der Kreislauf „Keine Industrie – keine Kultur – kein Grips – keine Chance gegen Rechtsextreme selten so anschaulich zu sehen war. Das Beste aber ist, dass die Autoren Menschen aufgespürt und ins Bild gesetzt haben, die absolut überzeugend Auswege aus der Hartz-4-Depression suchen und Neuland beschreiten: Der Bürgermeister , der nach Kolonisten sucht, die weiland unterm Alten Fritz den kleinen Ort im Oderbruch neu besiedeln. Herr Hartmann, der in Weißenfels einen kleinen Lebensmittelladen namens „Harz 4“ eröffnet hat. Karin Fahnert, die in Wolfen mit ihrem kleinen Kino ein Minimum an Kultur zu erhalten sucht. Das Dorf, das den Ernergiemonopolisten trotzt und selbst Strom für die Region generiert. Frank Jansky aus Güsen, der die Regionalwährung „Urstromtaler“ in Umlauf gebracht hat, um Wertschöpfung in der Region zu stärken. Das Ökodorf Siebenlinden, das der Muttergemeinde als einzigem Ort in der Altmark Bevölkerungswachstum beschert. Oder die beiden Jungs, die sich irgendwann mal mit der Zucht von Schnecken ernähren wollen. (rgm)