Elbekurier 11.10.07

Über Visionäre in scheinbar vergessenen Regionen

Doku-Streifen «Neuland» findet in Wittenberg nur ein kleines Publikum

Wittenberg/MZ/teo. Die Wittenbergerinnen Barbara Leps und Iris Morgner bildeten am Mittwochabend das kleine Publikum bei der Aufführung des Dokumentarfilms "neuland" von Holger Lauinger und Daniel Kunle im Kirchlichen Forschungsheim. Die Filmemacher beleuchten den infrastrukturellen Niedergang in ländlichen Regionen Ostdeutschlands, zeigen Abgerissenes und Abriss im Oderkreis, der Lausitz, im Fläming, aber auch im Ballungsraum Halle-Leipzig. Doch der Film hieße nicht "neuland", würde er sich nicht auf die Menschen konzentrieren, die sich mit Initiative und Visionen dagegen stemmen, von der Entwicklung abgehängt zu werden. Und so kommen sie zu Wort: Der Bürgermeister aus dem Oderkreis, der mit einem Edikt von Friedrich dem Großen "Kolonisten" in den Ort ruft, die Vogtländer Weinbergschnecken-Züchter, die ohne viel nach Genehmigungen zu fragen, erst einmal loslegten, ein Bisonzüchter, der sich durch den Dschungel der Förderung kämpft... Es geht um Experimente, dem Vorhandenen etwas abzuringen, was zukunftsträchtig scheint. Und vieles davon zielt auf regionale Wirtschaftskreisläufe. Ob sich am Ende die neuen Lebensentwürfe wie etwa die Kommune Waltershausen als richtig erweisen, dem Schrumpfen entgegen zu wirken? "Es sind nicht Ausrufezeichen, sondern Fragezeichen, die wir setzen wollen", so Holger Lauinger im Anschluss der von der Böll-Stiftung organisierten Aufführung. "Ich weiß, wie schwer es ist, Neuland zu betreten", sagt Ingrid Morgner, die einen privaten Pflegedienst gegründet hatte. Die Regulierungswut der deutschen Bürokratie sehen auch viele Protagonisten im Film als Bremse von Eigeninitiative. "Man müsste diesen Film zum Pflichtfilm für die Politiker machen", meinte Barbara Leps, "um denen zu zeigen, was sie hier versäumen."