Ostssee-Zeitung 30.08.07

Brisantes Thema: Der Osten im Aufbruch

Am Dienstagabend fand die Auftaktveranstaltung der „Neuland“-Tour statt. Ein Filmemacher und ein Grüner reisen durchs Land, um über Aufbruch und Abbruch in Ostdeutschland zu reden.

Peenemünde. Verfallene Häuser, leere Landstriche. Mit diesen Bildern begann der Dokumentarfilm „Neuland“, der am Dienstagabend im Kino des Peenemünder HTI vorgeführt wurde. Im Anschluss sollte eine Podiumsdiskussion mit dem Filmemacher Holger Lauinger, dem Bundestagsabegeordneten der Grünen Peter Hettlich, und dem Direktor der Theaterakademie Karl-Heinz-Strech stattfinden. 35 Interessierte fanden den Weg nach Peenemünde, um das Werk von Holger Lauinger und Regisseur Holger Lauinger anzusehen. Der Film „Neuland – eine Reise durch Regionen zwischen Aufbruch und Abbruch“ ist ein Reisebericht durch ostdeutsche Transformationslandschaften. Zahlreiche Probleme und Faktoren, die zum West-Ost-Gefälle führen, werden anhand der Geschichten unterschiedlicher Protagonisten angesprochen: Abwanderung der Industrie, Perspektivlosigkeit der jungen Generation, gesellschaftliche Probleme wie Rechtsextremismus, bürokratische Schwierigkeiten, Subventionen an falscher Stelle und Arbeitslosigkeit. Der Film stellt so die Frage: Werden wir verschiedene deutsche Gesellschaften in unterschiedlichen Räumen haben?

„Neuland“ zeigt aber auch Menschen, die Wege gefunden haben, die eigene Ideen entwickelten. Der Film soll Mut machen selbst Initiative zu ergreifen. Nach der Vorführung dann der Versuch einer Diskussion. Die Brisanz, die das Thema des Films für einen Großteil der Anwesenden hatte, war deutlich spürbar und damit auch der Gesprächsbedarf in den Reihen des Publikums. Doch geredet wurde zunächst nur auf dem Podium. Erst nachdem eine Besucherin sich darüber brüskierte, kamen auch die Gäste zu Wort. Deutlich wurde nun die scheinbare Ausweglosigkeit in der aufgezeigten Misere. Gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Politikern, Bürgern und Jugendlichen waren das nicht gezogene Fazit der „Diskussion“. Es wurde viel kritisiert, wenig diskutiert.

„Der Film Neuland zeigt Landstriche, die den Bach runtergegangen sind. Man muss mal die Frage nach den Ursachen stellen“, so die Gedanken Wolfgang Günthers (73) zum Film. Und Hartmut Köhler (46) fand es etwas traurig, dass nur lang und breit gezeigt wurde, was nicht mehr funktioniere. Für den Film gab es aber zugleich viel Lob und Applaus. Das zwiespältige Fazit des Abends: ein guter Film, aber viele unbeantwortete Fragen.

BU. Holger Lauinger, Karl-Heinz-Strech, Peter Hettlich und Moderator Dietmar Pühler führten die Podiumsdiskussion wurden aber schon bald vom redseligen Publikum unterbrochen. C. Pohl