Usedom-Kurier 30.8.07

„Grünstich“ verzögert grüne Filmdiskussion

Viel Beifall ernteten die Macher des Dokumentarfilms „Neuland“, der jetzt in Peenemünde vorgestellt wurde.

Peenemünde. Ein paradoxes technisches Problem verzögerte am Dienstagabend den Start ins „Neuland“. Weil die DVD zu „grünstichig“ wiedergegeben wurde, musste die Vorführtechnik kurzfristig ausgewechselt werden. Ausgerechnet bei einer Veranstaltung, zu der die Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen eingeladen hatte.

Der Film selbst entschädigte dann allerdings die Besucher im Kinosaal des HTI Peenemünde für das kleine Handicap, spiegelt er doch die Stimmung in Ostdeutschland – zwischen Depression und Aufbruch – sehr genau wieder. Und zwar abseits der strahlenden „Leuchttürme“, in scheinbar vergessenen Regionen, wie sie jedoch in den neuen Bundesländern auf Schritt und Tritt zu finden sind. Nach den aus einem fahrenden Zug aufgenommenen Anfangssequenzen mit vernagelten Bahnhöfen, verödeten Dörfern und einer Auswahl von in den Sand gesetzten Millionen-Projekten kommen jedoch Menschen zu Wort, die sich nicht aufgegeben haben, die die entstandenen Freiräume nutzen und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Aber auch die an Zynismus grenzende Phrasendrescherei eines bekannten CSU-Politikers, der in der Debatte mit der Jüterboger Arbeitsloseninitiative „Die Überflüssigen“ das Grundgesetz zitiert: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Kein Mensch sei überflüssig, man brauche nur Arbeit und Produktion, dann komme auch der Wohlstand. Und weil die Bilder und Aussagen für sich sprechen, kann es der Film sich auch leisten, auf jeden Kommentar zu verzichten.

„Der Film ist eine Ansammlung von Realitätsfragmenten, die mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile“, erklärte Drehbuchautor Holger Lauinger in der anschließenden Diskussionsrunde, in der es zeitweise so „heiß“ wurde, dass Moderator Dietmar Pühler einen schweren Stand hatte. Solche Diskussionen anzustoßen, sei auch ihr Hauptanliegen gewesen hatte Lauinger Kompagnon Daniel Kunle schon vorab in einem Interview verraten: „Sobald der Film abgespielt ist, wird gar nicht mehr so viel über den Film selbst gesprochen, sondern es geht dann um die konkrete Situation vor Ort.“ Siehe am Dienstagabend in Peenemünde.

UB: Im Podium hatten Filmemacher Holger Lauinger, Prof. Karl-Heinz Strech (Theaterakademie Zinnowitz), Peter Hettlich (MdB) und Moderator Dietmar Pühler Platz genommen, aber auch die Gäste wollten mitreden.

Am 11. Oktober läuft der Dokumentarfilm „Neuland“ übrigens im RBB Von Uwe Quosdorf