Treptower Tageblatt 25.8.2007

„Das konkrete Leben von jedermann“

Filmfest. Drei Tage dauert das dritte Festival auf der Burg Klempenow. Gestern gabe es erste Diskussionen zwischen Machern und Publikum. Klempenow. Als die Animierdame im Hawaikostüm entland des einsamen Strandes ihre Hüften zu exotischen Klängen schwang, lachten die Zuschauer im provisorischen Kinosaal auf der Burg Klempenow gestern Abend das erste Mal auf. Trotz des ernsten Hintergrundes – die Tänzerin ist Mitarbeiterin des Verluste schreibenden Tropical Islands im brandenburgischen Brand – wirkte die Szene ernst, ein bisschen komisch, aber nicht tragisch. „Neuland“, wie die Macher Daniel Kunle und Holger Lauinger ihren in den Jahren 2005/2006 entstandenen Film genannt haben, macht eine Reise durch Ostdeutschland mit Halt in Städten und Dörfern, in die man ohne guten Grund keinen Fuß setzen würde. Und die man doch zu kennen glaubt. Äußerlich geprägt durch ein gemeinsames Nachwende-Schicksal können die Orte aufgrund ihrer Menschen kaum unterschiedlicher sein. Denn der Film zeigt das „konkrete Leben von jedermann“, wie Macher Holger Lauinger später erklärt. Da ruft ein Bürgermeister beispielsweise nach Kolonisten, zwei Studenten bauen im Vogtland eine Schneckenzucht auf, ein Heimkehrer züchtet Bisons, ein Rechtsanwalt experimentiert mit Geld und führt die Regionalwährung ein – Engagement, getragen von Zweckoptimismus aus Alternativlosigkeit. „Menschen halten viel aus, wenn man ihre Ängste ernst nimmt“ lassen Kunle und lauinger einen Protagonisten sagen. Das unterstrich auch Demmins Landrat Frieder Jelen (CDU), der als Schirmherr das Filmfest eröffnete. „Wir sind konfrontiert mit einer neuen gesellschaftlichen Lebensform“, sagte er. Das gehe auch hier in der Region nicht an den Menschen vorbei. „Der Film „Neuland“ war von Anfang an unser Favorit“, erklärte Fest-Mitinitiator Karl Naujoks. Auf derartige Streifen, die der Ästhetik des alltäglichen Fernsehprogramms kaum entsprechen, konzentriert sich das Filmfest „der neue Heimatfilm“. Anders als im Vorjahr sind die Zuschauer an den drei Tagen eingeladen, das „Leben zwischen den Städten“ – so sind die ursprüngliche Idee des festes – zu erleben. Das verleiht Intensität und lässt Platz für Gespräche, sagte Naujoks. Dass bedarf besteht, zeigte sich an den zahlreichen Wortmeldungen bereits gestern Abend. Heute wird das Fest mit Kurzfilmen des Italieners Guiseppe Morandi fortgesetzt.

Von Christina Wandel

UT: Im Anschluss an Ihren Film Neuland stellten die Macher Daniel Kunle und Holger Lauinger den fragen des Publikums und Filmfest-Mitinitiators Karl Naujoks