Unabhängige Bauernstimme 5-2007

Von Schnecken, Wein und Bier
Der Film Neuland lädt zu einer Reise durch Ostdeutschland

Da sitzt einer mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Die Überflüssigen“ auf einer Bank und sagt „Wir wollen die Arbeitslosigkeit im Stadtbild sichtbar machen: Zieht diese T-Shirts an und Ihr werdet Euch wundern, wie viele wir schon sind.“
Ein Anderer stellt fest: „Wir halten die Leute in einem gesellschaftlichen Spiel, dessen Grundlagen Tag für Tag erodieren“, und Herr Paulisch berichtet resigniert: „Die Stimmung ist am Boden. So richtig lustig ist hier keiner! Ich wüsste nicht, dass nun einer mit dem großen Zauberstab kommt.“
Der Dokumentarfilm „Neuland“ von Holger Lauinger und Daniel Kunle spielt im Osten unserer Republik. Berichtet aus und von den neuen Bundesländern. Er fasst Stimmungen und Entwicklungen. Stellt Menschen mit ihren Erlebnissen, Sorgen und Hoffnungen in den Mittelpunkt. Von blühenden Landschaften ist die Realität weit entfernt. Die ländlichen Regionen aber auch Städte entvölkern sich immer mehr, weil sich die Menschen keine Perspektiven mehr sehen. Doch wo lassen sich neue Wege finden? Ist der Umbruch ein Prozess des Suchens und Experimentierens, den Gesellschaft aushalten muss? Liegen im Experimentieren nicht auch Perspektiven?
Zum Beispiel die Schneckenzucht von Danny Hübner & Danie Weller. Auch ihr Einstieg war nicht leicht: „Es gibt keinen, der dir sagt, dass man von Schneckenzucht in Deutschland leben kann. Aber es soll irgendwann schon so sein, dass wir irgendwann davon leben können. Wir sind aber auch bescheiden…oder besser gesagt: bescheiden geworden.“ Oder die Erlebnis Brauerei von Hajo Schubert im ehemaligen Fabrikgebäude, wo bisher nur nackte Stahlpfeiler, Glas, Beton und Schmutz sind.
Aber das sind nur kleine Einblicke in den Film, der erfolgreich versucht, die Stimmung zwischen Untergang und Aufbruch einzufangen.
NEULAND- leider nur in wenigen Kinos zu sehen!

Marcus Nürnberger