tip 07/07 (Stadtmagazin Berlin)

Die Doku Neuland entdeckt im deutschen Osten die Alternativgesellschaft

Verfallene Geisterbahnhöfe, Fabrikruinen, verödete Naturlandschaften - alte Ortsnamen wie „Wüstenbrand" bekommen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR buchstäbliche Bedeutung. Während Wirtschaftsräume wie München boomen, werden ehemalige Industriezentren in Bitterfeld oder Wolfen abgeschrieben. Auf Arbeitssuche ziehen viele Einwohner fort, unter den Dagebliebenen grassiert Resignation und Verbitterung, die „Ostalgie"-Welle ist ein Symptom für die Unzufriedenheit.Doch nicht alle lassen sich wehrlos vom Arbeitsmarkt ausgrenzen. Die Filmemacher Kunle und Lauinger fanden nicht nur beeindruckende Bilder des Verfalls und frustrierte Bürger, die auf „Schweinehunde in Berlin" schimpfen. Sie stellen auch landwirtschaftliche Pioniere vor, die Bisons oder Schnecken zum Verzehr züchten, Fabrikkommunen, Initiativen gegen Rechtsradikale, anspruchsvolle Kinomacher. Wo das Geld knapp ist, druckt man eine eigene Regionalwährung, mit der man vor Ort bezahlen kann. Einige Aktivisten machen großindustriehörige Politiker verantwortlich für die Missstände und zeigen, dass man abseits des globalen Kapitalismus alternative Wirtschafts- und Lebensweisen finden kann - im Osten schimmert Hoffnung.

Ralph Umard