Berliner Morgenpost . 15.3.07

Zwischen Depression und Ironie

Filmbilder aus Deutschlands Osten im Lichtblickkino an der Kastanienallee

Allbekannt: Das Umfeld prägt den Menschen. Immer wieder spannend: Kann der Mensch das Umfeld zu seinen Gunsten verändern oder auch nicht? Diese Frage prägt Kunst und Philosophie. Sie steht auch im Zentrum vieler Kinofilme, die ein Bild der Gegenwart in Deutschlands Osten zeichnen.
Die Erzählspanne reicht dabei von schwerblütigen Dramen bis zu erfrischender Ironie, wie eine kleine Reihe im Lichtblick-kino in der Kastanienallee ab 16.3. zeigt. Spiegelt Valeska Griesebach in ihrem vorjährigen Berlinale-Erfolg "Sehnsucht" voller Pathos und Düsternis vor allem das Ausgeliefertsein ihrer Protagonisten und das daraus resultierende Scheitern, beleuchtet Matthias Keilich in seiner skurrilen Komödie "Die Könige der Nutzholzgewinnung" mit leichter Hand die Chance des Einzelnen, sich mit Witz und Einfallsreichtum zu behaupten. Dabei ist besonders bemerkenswert, wie souverän hier DDR-Vergangenheit reflektiert wird.
Spielfilme wie diese im Blick, ist der Dokumentar-Essay "Neuland" des Regieduos Daniel Kunle und Holger Lauinger besonders aufschlussreich. Der Film hat am Sonnabend um 18.45 Uhr in Anwesenheit der Regisseure seine Uraufführung. Kunle und Lauinger erkunden den Alltag im Osten Deutschlands mit nüchterner Gelassenheit. Der Titel zielt auf die Blickrichtung: Sie halten vor allem Ausschau nach Menschen, die sich auf Neuland wagen, wie etwa zwei junge Leute, die ihr Glück als Schneckenzüchter versuchen, oder Künstler, die sich einfallsreich gegen Neonazis zur Wehr setzen. Der Film offeriert keine Rezepte zur Sicherung der Zukunft oder zur Wiederbelebung längst totgesagter Regionen und Orte. Aber er zeigt, ohne die Schattenseiten auszublenden: Der Osten lebt. Oft lauter und bunter als vermutet. Da macht Kino sogar Mut.

Bewertung: 4 von 5 Sterne